Südtirol Tour 2026 (3)

Der ultimative Pässe-Marathon in Südtirol

Von Kurvenrausch und Hagelschauern

Was für ein Tag im Sattel! Wenn man mich fragen würde, wie das Paradies für Motorradfahrer aussieht, würde ich vermutlich einfach die Route des heutigen Tages aufzählen. Sechs legendäre Pässe, unzählige Kehren und ein Wettergott, der am Ende bewiesen hat, dass er ein ziemlich exzentrischer Typ ist. Aber der Reihe nach.


Der perfekte Start: Über den Karer- und Nigerpass

Gepackt und voller Vorfreude ging es morgens los. Mein erstes Ziel: der Karerpass (Passo Costalunga). Die Strasse zieht sich wunderbar flüssig nach oben, umgeben von dichten Wäldern, bis sich plötzlich das monumentale Latemar-Massiv vor einem aufbäumt. Direkt nebenan liegt der Nigerpass (Passo Nigra) – fast schon ein Geheimtipp, der etwas schmaler und fahrtechnisch wunderbar fordernd ist.

Spezialität am Rande: Wer hier unterwegs ist, kommt am sagenumwobenen Karersee nicht vorbei. Die Einheimischen nennen ihn den „Regenbensee“. Der Legende nach hat ein Hexenmeister aus Liebeskummer einen Regenbogen zertrümmert und die Stücke in den See geworfen. Wenn man das tiefblaue, smaragdgrüne Wasser im Morgenlicht sieht, glaubt man die Story sofort.

Der Karersee

Das Herz der Dolomiten: Die Sella-Ronda im Uhrzeigersinn

Danach ging es Schlag auf Schlag. Wenn man in dieser Region ist, gibt es eine Pflichtlektüre für die Reifen: Die Vier-Pässe-Fahrt rund um das Sella-Massiv.

1. Passo Pordoi

Mit 2’239 Metern der zweithöchste asphaltierte Pass in den Dolomiten. Wer hier hochfährt, braucht einen fitten Daumen für den Blinker: Ganze 28 Kehren schrauben sich auf der Westrampe nach oben. Der Asphalt packt ordentlich zu, und das Panorama oben ist einfach nur gewaltig. Am Pass erinnert ein Denkmal an den legendären Radrennfahrer Fausto Coppi – Respekt an jeden, der sich hier ohne Motor hochquält!

2. Passo Sella (Sellajoch)

Gleich der nächste Streich. Das Sellajoch verbindet das Fassatal mit dem Grödnertal und bietet wahrscheinlich den spektakulärsten Blick auf die senkrechten Felswände der Sellagruppe. Hier spürt man die pure Wucht der Dolomiten.

3. Passo Gardena (Grödnerjoch)

Die fahrerische Traumstrasse schlechthin. Die Kurvenkombinationen machen einfach süchtig.

Kleine Besonderheit hier:

Das Grödnerjoch ist ein sprachlicher Schmelztiegel. Hier oben wird neben Italienisch und Deutsch vor allem Ladinisch gesprochen – eine rätoromanische Sprache, die sich in den isolierten Tälern über Jahrhunderte gehalten hat.

4. Passo Campolongo

Der vierte im Bunde bildet den Abschluss des Karussells. Er ist zwar der niedrigste der vier Pässe, fährt sich aber herrlich flüssig und bietet einen genialen Rhythmus zum Kurvenswingen.

Wenn der Himmel die Schleusen öffnet: Hagel-Stop nach dem Grödnerjoch

Eigentlich war es der perfekte Motorradtag. Doch die Dolomiten haben ihr eigenes Mikroklima. Kurz nach dem Grödnerjoch passierte es: Der Himmel verdunkelte sich im Zeitraffer von hellgrau auf bedrohlich tiefschwarz. Und dann prasselte es auch schon los.

Kein normaler Regen - Hagel - innerhalb von Sekunden trommelten die Eiskörner auf meinen Helm und das Visier. Da hilft kein cooler Blick und kein cooler Spruch: Rechts ran, Motor aus, Schutz suchen und die Fahrt kurz unterbrechen.

Als ich da so stand, den Blick auf die weißen Körner auf der Sitzbank gerichtet, musste ich laut lachen. Ein heftiger Hagelschauer mitten in den Bergen? Wenn das mal nicht die absolut perfekte Generalprobe und ein unmissverständlicher Vorbote für mein grosses Abenteuer im August ist:

Das Nordkap ruft!

Wer den Norden erobern will, darf schliesslich bei ein bisschen Eis von oben nicht mal mit der Wimper zucken.

Wie gewohnt, gibt es jetzt noch eine kleine Galerie mit den schönsten Eindrücken des Tages. Es hat sich jedenfalls sehr gelohnt, wie ich meine.

Fazit des Tages

6 Pässe, grandiose Spezialitäten für Auge und Kopf, Reifen an den Kanten eingefahren und wetterfest geprüft. Südtirol, du bist und bleibst eine Wucht!

Bleibt dran – das Abenteuer geht weiter!

Euer Tom

Tom

Reiseblogger aus Luzern

https://www.tomontour.ch
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