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700 km Arktis-Rausch, Polargeschichte und das grosse Ziel im Visier

  • Autorenbild: Tom
    Tom
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Was für ein gewaltiger Ritt. Wenn man nach einem langen Tag im Sattel den Motor abstellt, das Visier hochklappt und einem die kühle, klare Polarluft ins Gesicht schlägt, weiss man wieder ganz genau, warum man sich auf zwei Rädern auf diesen weiten Weg nach Norden gemacht hat.




Hinter mir liegt eine der intensivsten, forderndsten und landschaftlich spektakulärsten Etappen dieser gesamten Reise: gut 700 Kilometer von Bodø hinauf nach Tromsø.


Über den Polarkreis und durch Fjordwelten: Der Weg nach Tromsø

Gestern hiess es: früh raus, Fokus schärfen und eins werden mit der Strasse. 700 Kilometer klingen auf der Autobahn nach Routine – doch hier oben auf der legendären E6 und den geschwungenen Küstenstrassen Nordnorwegens ist jeder Kilometer ein echtes Erlebnis. Die Strecke schneidet sich wie ein Asphaltband durch eine Welt aus Urgewalten: links das tiefblaue, spiegelglatte Wasser der Fjorde, rechts aufragende, schroffe Felswände, deren Gipfel noch von Schneefeldern gekrönt sind.



Fahrtechnisch verlangte die Route absolute Konzentration: Schnelle Kurvenkombinationen, enge Tunnel, die einen unvermittelt in die Dunkelheit des Berges saugen, und das ständige Wechselspiel aus Wind und rauem Asphalt.


Durchquerung von Narvik

Weiter ging es entlang spektakulärer Fjordarme durch Narvik. Die Stadt liegt dramatisch eingebettet am Ofotfjord und atmet pure Geschichte:

  • Der eisfreie Erzhafen: Narvik verdankt seine strategische Bedeutung dem Golfstrom, der das Wasser selbst im tiefsten Winter eisfrei hält, und der Erzbahn, die das kostbare Eisenerz aus Kiruna an die Küste transportiert.

  • Historischer Wendepunkt: Genau infolge dieses Erzes tobte hier im Frühjahr 1940 die erbitterte Schlacht um Narvik. Es war der Schauplatz dramatischer Seeschlachten und markierte die allererste grössere Niederlage der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Wenn man an der Küstenlinie entlangrollt und den Blick über das Wasser schweifen lässt, spürt man die geschichtliche Schwere dieses Ortes zwischen den Bergen fast körperlich.


Durchatmen im „Tor zur Arktis“: Ruhetag in Tromsø

Nach dem gestrigen Kilometer-Marathon war die Entscheidung für einen Tagesaufenthalt in Tromsø goldrichtig.

Das Wetter zeigte sich heute von seiner authentisch nordischen Seite: frische 12 Grad, eine steife arktische Brise und das typische Schauspiel aus tiefhängenden Wolken, etwas Wind und gelegentlichem Nieselregen.

Tromsø – auf fast 70 Grad Nord – trägt nicht umsonst den Beinamen „Tor zur Arktis“ (oder historisch charmant das „Paris des Nordens“):



Das Polarmuseum (Polarmuseet): Direkt am alten Hafenbecken in einem urigen Holz-Zollspeicher von 1830 untergebracht, taucht man kopfüber in den Mythos Arktis ein. Von hier aus brachen Nationalhelden wie Roald Amundsen und Fridtjof Nansen zu ihren legendären Expeditionen ins ewige Eis auf. Die ausgestellten Fangboote, Fallen und Ausrüstungen der Seerobben- und Eisbärenjäger zeugen von einer Härte, die einem beim blossen Hinschauen Ehrfurcht einflösst.



Die Eismeerkathedrale (Ishavskatedralen): Auf der anderen Seite des Tromsøsunds ragt das Wahrzeichen empor. Ihre markante, spitz zulaufende Dreiecksarchitektur wirkt wie aus dem Fels geschlagene Eisschollen. Innen empfängt einen eines der grössten und farbgewaltigsten Glasmosaike Europas. Hier muss man mit einem Eintritt von umgerechnet 6 CHF rechnen.



Arktischer Fast-Food-Kult: Für das Kuriositäten-Album durfte auch der Blick auf den nördlichsten McDonald’s unseres Planeten nicht fehlen – ein amüsanter Kontrast zur rauen Wildnis ringsum.



Das Finale vor Augen: Der Puls steigt, das Ziel ruft!

Morgen früh schliesst sich das Visier wieder und der Motor erwacht zum Leben. Die nächste Etappe führt mich nach Olderfjord an den Porsangerfjord.


Und von dort aus?


Sind es nur noch ein paar Handvoll Kilometer bis zum Nordkapp.

Ich kann die Euphorie kaum in Worte fassen. Jede Faser ist hellwach, Mensch und Maschine sind perfekt eingespielt, das Equipment sitzt und der Fokus ist messerscharf:

71° 10′ 21″ N. Dieser eine magische Punkt am Rand des europäischen Kontinents, wo die Schieferklippen über 300 Meter senkrecht in den tobenden Arktischen Ozean stürzen.

Monatelang geplant, tausende Kilometer durch Wind, Regen und Traumlandschaften gefahren – ich bin sowas von vorbereitet auf das Ziel der Ziele in diesem Jahr. Das Nordkapp ruft, und die Zielgerade beginnt jetzt!

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