Passfieber im Zeitlupentempo: Grimsel- und Furkapass aus dem Velosattel

Zwei Tage, zwei legendäre Alpenpässe und unzählige Höhenmeter: Zum Auftakt meiner neuen Velo-Kategorie habe ich mir gleich zwei echte Klassiker vorgenommen. Was sonst mit sattem Motorensound unter mir vorbeizieht, stand die letzten 48 Stunden ganz im Zeichen von purer eigener Beinarbeit, frischem Bergwind und einer völlig neuen Perspektive auf die vertraute Alpenwelt.
Auftakt über den Grimselpass: Von Innertkirchen hinauf in die Granitwelt
Der Startschuss fiel in Innertkirchen. Das Wetter hätte nicht besser sein können: strahlend blauer Himmel, angenehme Temperaturen und beste Fernsicht. Doch schon auf den ersten Kilometern bergauf wurde klar:
Ein Alpenpass auf zwei Rädern ohne Boxermotor verlangt Respekt. Die Steigung forderte rasch ihren Tribut, die Waden meldeten sich zu Wort und der Puls fand schnell seinen Rhythmus.

Vorbei an den imposanten Staumauern und den blank geschliffenen Granitfelsen schraubte ich mich Kehre für Kehre nach oben. Oben auf der Passhöhe angekommen, belohnte der Blick über die karge, fast mondartige Landschaft des Grimsels jede Schweissperle.
Klassiker Furkapass: Von Realp dem Rhonegletscher entgegen
Heute ging es direkt weiter: Startpunkt Realp, das Ziel fest vor Augen – der Furkapass.
Wer den Anstieg von Realp kennt, weiss um die langen, offenen Rampen, die sich das Tal hinaufziehen. Bei erneut traumhaften Bedingungen ging es Meter um Meter empor. Die Anstrengung der letzten Tour steckte zwar noch ein wenig in den Beinen, doch die atemberaubende Kulisse rund um den Tiefengletscher und die raue Bergwelt des Urserentals setzte ungeahnte Kräfte frei. Auf der Passhöhe zu stehen und das Panorama aufzusaugen, ist aus eigener Muskelkraft ein unvergleichliches Gefühl.

Die Magie der Langsamkeit: Details, die sonst entgehen
So sehr ich es liebe, Pässe auf dem Motorrad zu fahren: Das Velo eröffnet eine völlig andere Dimension des Reisens. Das bewusst gedrosselte Tempo schärft alle Sinne. Man riecht das feuchte Moos in schattigen Waldpassagen, hört das Rauschen kleinster Schmelzwasserbäche abseits der Strasse und spürt die Temperaturwechsel in jeder Kehre ganz intensiv am eigenen Körper.
Dazu kommt die enorme Freiheit bei der Routenwahl: Mit dem Velo biegt man spontan auf kleine Schotterwege, alte Passpfade oder verkehrsberuhigte Nebenrouten ab – Abschnitte, die man mit dem Auto oder Motorrad schlichtweg nicht befahren darf oder schlicht übersieht.
Zwei intensive Tage liegen hinter mir. Die Beine brennen angenehm, der Kopf ist frei – und die Vorfreude auf die nächsten Pässe ist riesig!



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