Vier Pässe, ein Tag, purer Sommer im September

Sattel um acht Uhr morgens, satte Sonne, kaum ein Wölkchen am Himmel, dazu Temperaturen, die eher nach Hochsommer als nach Ende September klangen, so startete meine Passrunde in Luzern. Vier Pässe standen auf dem Programm, jeder mit seiner eigenen Geschichte.
Über den Sattel Richtung Klausenpass
Los ging's über den Sattel im Kanton Schwyz, mein Warmfahren für das, was noch kommen sollte. Den Klausenpass kenne ich eigentlich von der Luzerner Seite her, dieses Mal habe ich ihn bewusst von der Schwyzer Seite aus in Angriff genommen, und das hat sich gelohnt.

Schon im Mittelalter nutzten Säumer und Hirten diesen Übergang, um Handelswaren zwischen der Innerschweiz und dem Glarnerland zu transportieren. Die heutige Passstrasse ist dagegen noch recht jung, sie wurde erst 1899 und 1900 eröffnet.
Und wer denkt, hier ginge es beschaulich zu, der irrt sich gewaltig, in den 1920er und 1930er Jahren wurde der Pass durch das internationale Klausenrennen richtiggehend berühmt. An diesem Sonntag mit Traumwetter hatte ich das Gefühl, halb Zentralschweiz war unterwegs, entsprechend viel Verkehr und jede Menge andere Motorradfahrer kreuzten meinen Weg.
Über den Oberalppass ins Bündnerland
Weiter ging es zum Oberalppass. Lange war er eigentlich unbedeutend, ein kleiner Handelsweg, der über Jahrhunderte hauptsächlich von der lokalen Bevölkerung genutzt wurde. Erst im 19. Jahrhundert kam Bewegung in die Sache, als der Pass für den Tourismus per Pferd entdeckt wurde, was allerdings auch prompt zu Beschwerden über den schlechten Strassenzustand führte.
Lukmanier und die Mönche von Disentis
Vom Oberalp aus führte mich die Strecke zum Lukmanierpass hinunter ins Tessin. Dieser Pass hat eine der ältesten Geschichten von allen, seine Bedeutung wuchs entscheidend mit der Gründung des Klosters Disentis im Jahr 720. Jahrhundertelang war er einer der wichtigsten Übergänge der Alpen, bis ihm die Konkurrenz durch andere Routen langsam den Rang ablief.

Der grosse Abschluss: der Gotthardpass
Zum krönenden Abschluss durfte natürlich der Gotthardpass nicht fehlen. Kaum zu glauben, aber dieser Übergang wird schon seit der Eisenzeit als Handelsweg genutzt, lange bevor er zum Mythos der Schweizer Passstrassen wurde. Mit diesem geschichtsträchtigen Schlusspunkt im Rücken ging es zurück nach Luzern.

Eine Tour mit vier Pässen, jeder mit seinem eigenen Charakter und seiner eigenen Geschichte, bei Wetter, wie man es sich für so eine Ausfahrt nur wünschen kann. Das war definitiv einer dieser Tage, die man am Abend mit einem breiten Grinsen im Helm ausklingen lässt.





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