Dem Spätherbst entflohen: Licht und Schatten an der türkischen Ägäis

Manchmal braucht man einfach noch ein paar Tage Sonne, bevor der Spätherbst in der Heimat endgültig das Zepter übernimmt. Am 26. Oktober ging es für mich von Zürich aus via Istanbul an die türkische Ägäis nach Bodrum. Eine Woche Ausspannen, Kultur tanken und das Meer geniessen, bevor es am 1. November wieder zurückgeht.

Erste Tage in Bodrum: Weisse Häuser, Basar-Trubel und ein Wolkenbruch

Die ersten Tage habe ich genutzt, um Bodrum zu Fuss auf eigene Faust zu erkunden. Abgesehen von einem Tag, an dem der Himmel sprichwörtlich seine Schleusen geöffnet und die Strassen in reissende Bäche verwandelt hat, zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite – angenehme Spätsommertemperaturen, die zum Flanieren einladen.

Bodrum bietet optisch eine faszinierende Kulisse: weiss getünchte Häuser im Kykladen-Stil, leuchtende Drillingsblumen an den Fassaden und überall der Duft von starkem Mokka und Gewürzen. Doch sobald man durch die Basargassen schlendert, merkt man schnell: Entspanntes Schauen ist hier harte Arbeit. Jeder Händler wittert das Geschäft seines Lebens, das Feilschen ist allgegenwärtig, und die permanente Hektik nimmt einem mit der Zeit etwas die Luft zum Atmen.

Tapetenwechsel per Boot: Warum die Insel Kos ein echter Geheimtipp ist

Gestern stand dann mein persönliches Highlight auf dem Plan: Ein Tagesausflug per Boot hinüber auf die griechische Nachbarinsel Kos. Nach einer knappen Stunde Überfahrt betritt man eine völlig andere Welt. Wo Bodrum laut, quirlig und geschäftstüchtig pulsiert, empfängt einen Kos bei bestem Kaiserwetter mit einer fast schon meditativen Gelassenheit.

Kos ist herrlich unaufgeregt. Hier bedrängt einen niemand, etwas zu kaufen; die Menschen sind herzlich, aber angenehm zurückhaltend. Mich haben vor allem die feinen Nuancen der Insel begeistert: die weitläufigen Alleen mit schattenspendenden Palmen, die Spuren der Antike, die sich organisch zwischen moderne Cafés schmiegen, und die klare Meeresluft, gemischt mit wildem Thymian.

Ein absolutes Muss war der Besuch einer der typischen orthodoxen Kirchen. Der Kontrast könnte kaum grösser sein: Man tritt aus dem gleissenden Sonnenlicht in das kühle, dämmrige Innere, wo der Duft von Weihrauch in der Luft liegt. Die Wände sind überzogen mit kunstvollen, goldverzierten Ikonen, und das leise Flackern der Bienenwachskerzen sorgt für eine andächtige Ruhe, die einen sofort entschleunigt. Wer in Bodrum weilt, sollte diesen Katzensprung nach Kos definitiv einplanen.

Wo der Glanz verblasst: Ein Diamant ohne Schliff

Apropos Kontraste: Man muss die Dinge beim Namen nennen dürfen. Wo viel Licht ist, gibt es leider auch Schatten – und der fiel auf dieser Reise vor allem auf meine Unterkunft, das Diamond of Bodrum.


Fünf Sterne schmücken den Eingang, doch mit einem echten Diamanten hat das Haus herzlich wenig zu tun. Was hier als Luxusklasse verkauft wird, würde bei uns zu Hause wohl kaum als solides Mittelklassehotel durchgehen. Mir persönlich fehlen schlichtweg die Sauberkeit, die Sorgfalt im Detail und die verlässliche Struktur, die man aus der Schweiz und anderen Ländern gewohnt ist. Von abgewohnten Ecken über lieblose Abläufe bis hin zum Service: Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt hier hinten und vorne nicht, und der aufgerufene Preis ist für das Gebotene in keinster Weise gerechtfertigt.

Burg Bodrum: Grosses Kino mit Weitblick

Dass es in Bodrum auch anders geht, hat mir der heutige Tag bewiesen: Ich habe das Kastell von Bodrum (die Burg St. Peter) besichtigt.

Majestätisch thront die Festung der Johanniter-Ritter über dem Hafen und bietet nicht nur einen fantastischen Panoramablick über die gesamte Bucht, sondern beherbergt auch das weltberühmte Museum für Unterwasserarchäologie.
Für 23 Euro Eintritt bekommt man hier ein erstklassig gepflegtes, geschichtsträchtiges Erlebnis geboten, das jeden Cent wert ist – ein wohltuender Kontrast zu den verblassten Versprechungen im Hotel.

Die Ägäis ist reich an Geschichte, Meer und wunderschönen Momenten. Man muss nur wissen, wo man die echten Perlen sucht – und manchmal liegt die wahre Entspannung eben eine kurze Bootsfahrt entfernt.

Tom

Reiseblogger aus Luzern

https://www.tomontour.ch
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