Manchmal braucht es nicht viel für einen perfekten Tag: eine gute Route, ein Motorrad, Sonne satt und ein Wiedersehen mit lieben Menschen. Genau so einen Tag habe ich kürzlich erlebt, und davon möchte ich euch hier erzählen.
Die Idee: Ein Treffen mit Freunden am Reschensee
Auslöser dieser Tour war eine Nachricht von meinem Freund Egidio. Er und seine Frau verbrachten zur selben Zeit ihren Urlaub im Engadin. Da war schnell klar: Das ist die Gelegenheit, sich zu treffen. Mit Egidio verbinden mich schon einige gemeinsame Bergtouren und Skitage, und ein Wiedersehen in den Bergen passt da perfekt. Als Treffpunkt haben wir uns auf den Reschensee geeinigt, der für mich von Luzern aus eine wunderbare Motorradetappe ergibt.
Der Start in Luzern
Am Morgen ging es früh los. Das Wetter versprach einen Bilderbuchtag, und schon beim Losfahren in Luzern spürte ich diese typische Vorfreude, die man nur vor einer langen Tour mit vielen Kurven hat. Die ersten Kilometer führten mich durch die Zentralschweiz, bevor es allmählich in die Bündner Berge hineinging.
Wolfgangpass: Das Tor nach Davos
Der erste Pass des Tages war der Wolfgangpass auf rund 1’630 Metern Höhe. Er verbindet Klosters mit Davos und ist eher ein sanfter Auftakt: schöne Strasse, angenehme Kurven, dazu die ersten Ausblicke auf die Bergwelt Graubündens. Ideal, um sich einzufahren und in den Rhythmus der Tour zu kommen.
Flüelapass: Das Highlight der Strecke
Von Davos aus führt die Strecke hinauf zum Flüelapass, der mit etwa 2’380 Metern deutlich höher liegt. Hier wird es alpin: Die Landschaft wird karger, die Kurven werden enger, und die Luft fühlt sich spürbar frischer an. Bei so klarem Wetter war die Fahrt ein echter Genuss. Oben angekommen, habe ich eine kurze Pause eingelegt, die Aussicht genossen und ein paar Fotos gemacht. Danach ging es hinunter ins Unterengadin, vorbei an den charakteristischen Engadiner Dörfern mit ihren verzierten Häusern.
Weiter Richtung Reschenpass
Vom Engadin aus folgte ich dem Inn talabwärts und gelangte über die Grenze nach Österreich und schliesslich nach Südtirol. Der Reschenpass liegt auf rund 1’500 Metern und ist damit vergleichsweise unspektakulär hoch. Dafür wartet an seinem Südende ein Anblick, den man so schnell nicht vergisst.
Der Reschensee: Der See mit dem versunkenen Dorf
Der Reschensee ist ein Stausee, der zu den bekanntesten Motiven Südtirols gehört. Und er hat eine bewegte Geschichte:
Ursprünglich gab es hier mehrere kleinere Seen, darunter den natürlichen Reschensee und den Mittersee. Die Region rund um Graun und Reschen war ein Bauerngebiet mit Dörfern, Feldern und Wiesen.
Die Staumauerpläne stammen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Der Bau begann Ende der 1930er-Jahre, wurde durch den Krieg unterbrochen und erst 1950 abgeschlossen. Der Wasserspiegel wurde dabei um rund 20 Meter angehoben, sodass die einzelnen Seen zu einem grossen See verschmolzen.
Die Folgen für die Bevölkerung waren dramatisch. Das alte Dorf Graun und Teile von Reschen wurden überflutet. Mehrere Hundert Menschen verloren ihr Zuhause, ihre Felder und ihre Heimat. Viele Familien mussten umgesiedelt werden, und der Widerstand der Bevölkerung wurde damals kaum gehört.
Der Kirchturm von Alt-Graun, der aus dem 14. Jahrhundert stammt, ragt bis heute aus dem Wasser und ist zum Wahrzeichen des Sees geworden. Im Winter, wenn der See zufriert, kann man bei entsprechenden Bedingungen sogar zu Fuss zum Turm laufen. Eine Legende erzählt, man könne die Glocken unter Wasser noch läuten hören. Das ist wohl eher Sage als Wahrheit, aber sie macht den Ort umso stimmungsvoller.
Wenn man dort steht, den Turm im blauen Wasser vor den Bergen sieht, ist man gleichzeitig von der Schönheit und von der Geschichte des Ortes berührt. Das gehört für mich zu den Dingen, die Reisen mit dem Motorrad so besonders machen: Man kommt an Orte, die einem etwas erzählen.
Wiedersehen mit Egidio und seiner Frau
Am See traf ich dann Egidio und seine Frau. Die Wiedersehensfreude war gross, schliesslich haben wir schon viele schöne Stunden in den Bergen und auf der Skipiste verbracht. Wir haben den Nachmittag gemeinsam verbracht, sind am See entlang spaziert, haben geplaudert, gelacht und Erinnerungen an frühere Touren aufgefrischt. Bei strahlendem Sonnenschein und dieser Kulisse war das einfach ein grossartiger Tag.
Gemeinsames Abendessen
Zum Abschluss gingen wir zusammen zu Abend essen. Gutes Essen, gute Gespräche und das Gefühl, dass Freundschaft auch nach einer langen Anreise nichts von ihrer Vertrautheit verliert: So muss ein Tag enden. Ich hätte noch ewig sitzen bleiben können, aber die Rückfahrt stand noch bevor.
Die Rückfahrt nach Luzern
Nach der Verabschiedung machte ich mich wieder auf den Heimweg Richtung Luzern. Die Abendstimmung in den Bergen, das weiche Licht auf den Pässen und die ruhiger werdenden Strassen haben die Rückfahrt zu einem eigenen kleinen Erlebnis gemacht. Müde, aber rundum glücklich bin ich schliesslich zu Hause angekommen.
Fazit
Diese Tour hat wieder gezeigt, warum ich so gerne mit dem Motorrad unterwegs bin: wegen der Landschaft, der Freiheit auf der Strasse und der Möglichkeit, unterwegs Menschen zu treffen, die einem wichtig sind. Wolfgangpass, Flüelapass und der Reschensee bilden zusammen eine Route, die ich jedem Motorradfahrer nur empfehlen kann, am besten bei so traumhaftem Wetter wie an meinem Tag.
Und wer weiss, vielleicht gibt es bald die nächste gemeinsame Tour mit Egidio. Ich halte euch auf TomOnTour auf dem Laufenden.
Euer Tom