Nordkapp: Der Weg in den Norden

Über endlose Kilometer und die Magie des Polarkreises

Was für zwei vollgepackte, grandiose Tage liegen hinter mir! Wer dachte, die Anreise bis nach Norwegen sei schon das eigentliche Abenteuer gewesen, wurde spätestens gestern eines Besseren belehrt.

Von Kristiansand nach Trondheim: 850 Kilometer Dauerregen und Kälte

Der Blick auf den Tacho am Ende des Tages sprach Bände: Für die Etappe von Kristiansand rauf nach Trondheim standen weit über 850 Kilometer auf dem Zähler. Es war eine extrem lange und kräftezehrende Tour. Was die Fahrt jedoch zur echten Geduldsprobe machte, war das Wetter: Der Himmel öffnete fast durchgehend seine Schleusen. Extrem häufiger Dauerregen begleitete mich über stundenlose Etappen, und durch das nasse Wetter kühlt es auf dem Motorrad extrem schnell ab – es wurde richtiggehend kalt in der Kluft.

Trotz der Nässe, der tiefen Temperaturen und der vielen Stunden im Sattel entschädigte die schiere Weite Norwegens für jede Strapaze. Mit jedem Kilometer spürte man, wie die Landschaft an Erhabenheit gewann. Spät am Abend rollte ich schliesslich durchfroren, aber glücklich über die geschaffte Megadistanz, in Trondheim ein.

Von Trondheim nach Bodø: Alpen-Pass-Feeling und Fjordkulissen

Nach einer erholsamen Nacht ging es heute von Trondheim weiter nördlich mit dem Tagesziel Bodø. Landschaftlich war das der absolute Wahnsinn! Die Route führte mich über etliche Bergpässe, die mit ihren geschwungenen Kurven und spektakulären Ausblicken jedes Motorradherz höher schlagen lassen. Immer wieder schraubte ich mich aus saftigen Tälern hoch hinauf in die karge Bergwelt, nur um wenig später wieder direkt an den tiefblauen Fjorden entlangzugleiten. Diese stetige Wechselwirkung aus rauem Fels, Höhenmetern und dem ruhigen Wasser der Fjorde macht das Fahren hier oben einfach unvergleichlich.

Der magische Moment: Das Polarkreiszentrum

Das absolute Highlight des heutigen Tages war jedoch das Überqueren einer ganz besonderen unsichtbaren Linie: Der Einstieg in die Arktis.

Auf dem Saltfjellet, direkt am Polarkreis auf 66° 33’ N, liegt das Polarkreiszentrum (Polarsirkelsenteret). Es befindet sich direkt an der E6, rund 80 Kilometer südlich von Fauske, mitten in einer beeindruckenden, fast schon mondartigen Hochebene. Das Gebäude selbst ist architektonisch treffend an die Natur angepasst und beherbergt neben einer Ausstellung zur arktischen Fauna und Flora auch ein Postamt, von dem aus man Briefe mit einem begehrten Polarkreis-Stempel verschicken kann.

Schon bei der Anfahrt spürt man die besondere Atmosphäre dieser kargen Tundralandschaft. Um das Zentrum herum stehen unzählige kleine Steinmännchen, die Reisende aus aller Welt hier hinterlassen haben. Hier kurz anzuhalten, tief durchzuatmen und sich bewusst zu machen, dass man soeben den Polarkreis überschritten hat, ist ein richtiger Gänsehaut-Moment.

Ausblick: Auf nach Tromsø!

Nach der Ankunft im küstennahen Bodø geht der Blick nun natürlich schon wieder nach vorne. Morgen wartet die nächste Etappe auf mich: Es geht weiter Richtung Norden mit dem Ziel Tromsø, dem „Tor zur Arktis“. Ich bin gespannt, welche landschaftlichen Highlights, Fährüberfahrten und Kurven der morgige Tag bereithält!

Tom

Reiseblogger aus Luzern

https://www.tomontour.ch
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Abenteuer Nordkapp: 1’075 Kilometer Autobahn, dänische Stürme und die historische Festungsstadt Kristiansand