Senkrecht in Richtung Sonne: Zu zweit durch die Fürenwand

Blauer Himmel, griffiger Kalk und satte 760 Höhenmeter reine Kletterei: Wenn das Wetter in den Urner Alpen so mitspielt wie heute, gibt es kein Halten mehr. Gemeinsam mit meinem Kollegen Egidio habe ich mir heute einen echten Klassiker der Zentralschweiz vorgenommen – den legendären Klettersteig Fürenwand bei Engelberg.

Es war eine Tour, die alles zu bieten hatte, was das Bergsteigerherz begehrt: knackige Tiefblicke, brennende Unterarme und ein Panorama, das jede Anstrengung sofort vergessen lässt.

Zwei Freunde, eine Wand: Der Einstieg

Nach dem Zustieg ab der Talstation der Fürenalp-Bahn standen wir vor der mächtigen, fast senkrechten Kalkwand. Egidio und ich haben uns kurz gesammelt, die Ausrüstung ein letztes Mal gecheckt (und ja, die 360-Grad-Cam auf dem Helm durfte für die besten Blog-Perspektiven natürlich nicht fehlen!) und dann ging es auch schon direkt zur Sache.

Der Steig schenkt einem von Beginn an nichts. Die Exposition ist sofort spürbar, und die Tiefblicke ins Engelbergertal hinein werden mit jedem Meter spektakulärer.

Die Fürenwand: Daten, Fakten & Geschichte

Für alle, die die Route selbst einmal planen, hier die harten Fakten zu diesem Prachtstück:

  • Schwierigkeit: K4 bis K5 (bzw. C/D). Der Steig ist anhaltend steil und erfordert neben absoluter Schwindelfreiheit eine gehörige Portion Kraft in den Armen und Beinen.

  • Höhenmeter: Ca. 760 m reiner Klettersteig (Einstieg auf ca. 1’140 m, Ausstieg bei der Fürenalp auf 1’840 m).

  • Dauer: Rund 3 bis 3,5 Stunden reine Kletterzeit.

Ein Blick in die Geschichte: Die Fürenwand hat in der Alpingeschichte einen berühmt-berüchtigten Ruf. Die mächtige, glatte Wand wurde 1904 erstmals von den Engelberger Pionieren klettertechnisch bezwungen. Jahrzehntelang blieb sie eine extreme, extrem anspruchsvolle Freikletterroute.

Erst im Jahr 2001 wurde der heutige Klettersteig von den Engelberger Bergführern eröffnet. Sie haben hier ein Meisterwerk aus Drahtseilen und über 400 soliden Eisenstiften in den Fels gezaubert, das erfahrenen Berggängern diesen vertikalen Rausch überhaupt erst zugänglich macht.

Natur pur im vertikalen Fels

Was mich neben der Kletterei immer wieder fasziniert, ist, wie sich die alpine Natur in diesen extremen Steilwänden behauptet. Direkt an den schmalen Felsbändern, wo wir uns kurz verschnaufen konnten, leuchtete uns der Gelbe Eisenhut (Aconitum lycoctonum) entgegen. So schön er anzusehen ist – er gehört zu den giftigsten Pflanzen in unseren Alpen. Also: Nur mit den Augen geniessen und weiter konzentriert umhängen!

Der Lohn: Hängebank und Gipfelpanorama

Das absolute Highlight kurz vor dem Ausstieg ist die berühmte, exponierte Hängebank, die spektakulär am Drahtseil in der Wand befestigt ist. Wer hier nicht anhält, um den Blick schweifen zu lassen, ist selber schuld. Egidio und ich haben uns die verdiente Pause gegönnt, einen Schluck aus der Flasche genommen und einfach nur das Panorama eingesaugt.

Der Blick von hier oben und dem späteren Ausstieg auf der Fürenalp ist schlicht überwältigend. Direkt gegenüber thront der mächtige, vergletscherte Titlis (3’238 m) in seiner vollen Pracht. Dreht man sich etwas weiter, zieht der markante Spannort die Blicke auf sich, während tief unten das Engelbergertal im satten Grün leuchtet.

Fazit

Die Fürenwand hält, was ihr Ruf verspricht. Ein absolut genialer Tag in den Bergen, top Wetter und mit Egidio der perfekte Seilpartner an der Seite, mit dem das Durchziehen in der Wand gleich doppelt Spass macht. Die nächste Tour kommt bestimmt!

Zum Abschluss möchte ich Euch noch einige eindrucksvolle Bilder in einer Galerie mit auf den Weg geben.

Bis zum nächsten Pass oder Gipfel,

Tom

Tom

Reiseblogger aus Luzern

https://www.tomontour.ch
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