Grip, Geschichte & Gänsehaut: Auf zwei Rädern vom Klausenpass zum Glaubenberg
"Manchmal ist das einzige, was man braucht, ein voller Tank, freie Strassen und eine Route, die Geschichte atmet."
Willkommen zurück auf RoutenLust! Heute nehme ich euch mit auf eine absolute Traumtour durch die Zentralschweiz. Wenn ihr Kurven liebt, atemberaubende Panoramen sucht und zwischendurch gerne mal einen Hauch Geschichte schnuppert, dann schnallt den Helm fest – diese Tagestour hat es in sich.
Meine Route führte mich heute von meinem Startpunkt in Luzern erst tief in den Osten über den legendären Klausenpass, danach im grossen Bogen in den Westen auf den rauen Glaubenberg und zum krönenden Abschluss für ein paar magische Abendmomente an den Vierwaldstättersee bei Hergiswil.
Hier ist mein Fahrtenbuch von heute.
Auf den Spuren der Rennlegenden: Der Klausenpass
Der Morgen in Luzern war noch frisch, als ich den Motor startete. Raus aus der Stadt, am See entlang in Richtung Altdorf, wo der Einstieg zum Klausenpass wartet.
Der Klausenpass (1'948 m ü. M.) verbindet die Kantone Uri und Glarus. Schon die Fahrt durch das Schächental ist ein Genuss, aber sobald sich die Strasse in engen Serpentinen nach oben schraubt, beginnt der eigentliche Spass. Der Asphalt klebt, die Kurvenradien fordern volle Konzentration, und oben auf dem Urnerboden – übrigens der grössten Alp der Schweiz – öffnet sich eine Hochebene, die einen fast glauben lässt, man sei in einer anderen Welt.

Historischer Fakt am Rande:
Für uns Biker ist der Klausenpass heiliger Boden. In den 1920er und 30er Jahren (genauer von 1922 bis 1934) fand hier das legendäre Klausenrennen statt. Es galt damals als das schwerste und berühmteste Bergrennen der Welt. Wenn man heute in die Kurven sticht, kann man sich fast vorstellen, wie Rudolf Caracciola damals mit röhrenden Kompressor-Motoren über genau diesen Schotter gejagt ist.


Der Klausenpass
Wilde Natur und alte Grenzen: Der Glaubenberg
Nach der Überquerung des Klausenpasses und einem zügigen Transit zurück Richtung Zentralschweiz stand der Kontrast auf dem Programm: Der Glaubenbergpass. Er verbindet Sarnen im Kanton Obwalden mit Entlebuch im Kanton Luzern.
Im Gegensatz zum breiten Alpenpanorama des Klausen ist der Glaubenberg (1'540 m ü. M.) rauer, wilder und geprägt von dichten Wäldern und der grössten Moorlandschaft der Schweiz. Die Strasse ist schmaler, oftmals holpriger, aber genau das macht ihren rustikalen Charme aus. Hier ist man viel mehr im "Flow" mit der unberührten Natur.

Historischer Fakt am Rande:
Die Region rund um den Glaubenberg war jahrhundertelang ein heiss umkämpftes Grenzgebiet. Die Obwaldner und die Entlebucher waren sich oft nicht grün, es gab immer wieder Grenzstreitigkeiten und Scharmützel um Weiderechte. Erst im späten Mittelalter kehrte hier Ruhe ein. Zudem hat die Strasse eine starke militärische Prägung: Viele der ausgebauten Wege und Bunkeranlagen in dieser Region stammen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Krieges, als die Schweizer Armee das sogenannte Réduit (die Alpenfestung) massiv ausbaute.
Golden Hour am Vierwaldstättersee: Ausklang in Hergiswil
Nach den intensiven Kurven auf dem Glaubenberg führte mich der Weg hinab und zurück in Richtung Luzern, mit einem letzten, ganz bewussten Stopp in Hergiswil.
Hergiswil liegt direkt am Fusse des majestätischen Pilatus und bettet sich sanft an die Ufer des Vierwaldstättersees. Genau hier, als die Sonne langsam tiefer stand und das Wasser in ein goldenes Licht tauchte, stellte ich die Maschine ab. Der Auspuff knisterte beim Abkühlen, und ich liess einfach nur den Blick über das Wasser schweifen. Der Vierwaldstättersee ist nicht einfach nur ein See – er ist ein Erlebnis. Die dramatischen Felswände, die direkt ins Wasser abfallen, machen jeden Kilometer am Ufer zu einem Genuss.

Historischer Fakt am Rande:
Der Vierwaldstättersee gilt als die Wiege der Schweiz – auf der Rütliwiese am anderen Ufer soll 1291 der Gründungsmythos der Eidgenossenschaft besiegelt worden sein.
Doch auch Hergiswil selbst hat eine glänzende Geschichte: Seit 1817 wird hier in der berühmten Glasi Hergiswil Glas von Hand geblasen. Es ist die einzige Glashütte der Schweiz, in der bis heute Glas in reiner Handarbeit verarbeitet wird. Ein Stück echte Schweizer Handwerkskunst direkt an der Uferstrasse.
Fazit der Tour
Gut 250 Kilometer, unzählige Kurven und Landschaften, die abwechslungsreicher nicht sein könnten. Vom historischen Rennglanz des Klausenpasses über die raue Moorromantik des Glaubenbergs bis hin zur historischen Idylle in Hergiswil – diese Zentralschweizer Runde ist ein absolutes Muss für jeden, der das Motorradfahren und die Schönheit der Schweiz liebt.
Bis zur nächsten Tour auf RoutenLust – fahrt vorsichtig und geniesst jeden Kilometer!
Euer Tom von RoutenLust