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Vier Länder an einem Tag: Die Baltikum-Etappe bis Polen

Autorenbild: Tom
Tom
19. Aug.
2 Min. Lesezeit

Was für ein Tag! Wer denkt, eine Motorradtour besteht nur aus gemütlichem Dahingleiten, der hat die heutige Mammuttour noch nicht erlebt: Über 650 Kilometer, vier Länder und eine emotionale Achterbahnfahrt auf zwei Rädern.


Der Start: Abschied von Tallinn

Früh morgens ging es in Tallinn los. Die estnische Hauptstadt mit ihrer perfekt erhaltenen mittelalterlichen Altstadt – UNESCO-Weltkulturerbe – lag noch ruhig da, als der Motor das erste Mal aufheulte. Die Luft war frisch, die Strassen leer und die Vorfreude auf die lange Reise gen Süden riesig.


Estlands Küste: Tahkuranna Küla

Der erste Zwischenstopp führte mich nach Tahkuranna Küla an der estnischen Westküste. Der Ort liegt malerisch an der Bucht von Pärnu und ist historisch bemerkenswert: Hier wurde Konstantin Päts geboren, der erste Präsident der Republik Estland. Bei perfekten 21 Grad bot die estnische Küstenstrasse feinsten Asphalt und einen entspannten Auftakt.



Meeresbrise in Lettland: Saulkrastu novads

Weiter ging es über die Grenze nach Lettland in den Bezirk Saulkrastu. Der Name bedeutet wörtlich übersetzt „Sonnenküste“ – und die 17 Kilometer lange Küstenlinie mit der berühmten Weissen Düne (Baltā kāpa) machte ihrem Namen alle Ehre. Ein kurzer Stopp, um die Ostseeluft einzuatmen, bevor das Terrain anspruchsvoller wurde.



Litauische Extreme: Pasvalys

In Litauen stoppte ich in Pasvalys, einer Stadt im Norden des Landes, die für ihre reiche Brautradition und vor allem für geologische Besonderheiten bekannt ist: Wegen des Karstbodens tun sich hier regelmässig spektakuläre Erdfälle auf.


Spektakulär war allerdings auch alles andere auf den Strassen:

  • Der Straßenzustand: Von tiefen Spurrillen über überraschende Schlagloch-Kombinationen bis hin zu welligem Flickenteppich war alles dabei, was Fahrwerk und Rückenmuskeln fordert.

  • Der Fahrstil: Überholmanöver im Angesicht des Gegenverkehrs scheinen hier Volkssport zu sein. Mit dem Motorrad braucht man doppelt so viele Augen und stets den Finger an der Bremse. Als Fahrlehrer ist man dem Wahnsinn schon vedächtig nahe.



Zielsprint im Regen: Suwałki

Kurz vor der polnischen Grenze schlug das Wetter um. Der Himmel öffnete alle Schleusen, und die letzten Kilometer nach Suwałki wurden zur echten Regenschlacht. Völlig durchnässt, aber glücklich rollte ich schliesslich im Nordosten Polens ein – in der Region, die als polnischer „Kältepol“ gilt, heute aber vor allem als willkommener Etappenhafen diente.



Das Nordkapp-Projekt biegt auf die Zielgerade ein

Mit diesem Tag befindet sich mein gewaltiges Nordkapp-Projekt endgültig in der Endphase. Tausende Kilometer liegen hinter mir, unzählige Eindrücke im Gepäck. Morgen geht das Abenteuer weiter: Ein langer Ritt quer durch Polen hinüber in die Tschechische Republik mit Ziel Ostrava.

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